Seite drucken
Title: Geschichtliches zum Christbaumschmuck (2013)

GESCHICHTLICHES ZUM CHRISTBAUMSCHMUCK

Der Brauch, zum Jahreswechsel das Haus mit immergrünen Zweigen zu schmücken, ist schon aus vorchristlicher Zeit überliefert. Man glaubte diese Zweige würden in den sogenannten "Rauhnächten" Schutz vor Unheil und bösen Geistern, Blitz und Krankheiten bieten. Dieser Brauch hielt sich auch noch, als das Christentum in Europa verbreitet war. Die immergrünen Zweige wie Fichte, Tanne, Buchsbaum, Kiefer oder Eibe waren allgemein ein Symbol für Leben und die Fruchtbarkeit. In der toten Winterzeit galten sie als ein Zeichen der Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings.

Die erste Erwähnung geschmückter Tannenbäume finden wir bei den Zünften. 1419 stellte die Freiburger Bäckerzunft einen mit Papierschmuck, Äpfeln und Birnen, Oblaten und Lebkuchen, gefärbten Nüssen und Flittergold geschmückten Zunftbaum im Heilig-Geist-Spital für die Armen auf. Gabenbäume dieser Art durften dann am 6. Januar von den Kindern geschüttelt und die Leckereien aufgelesen werden. Die ersten Weihnachtsbäume trugen allerdings noch keine Kerzen. Fürsten- und Adelskreise sowie wohlhabende Stadtbürger übernahmen schließlich den Zunftbrauch des geschmückten Weihnachtsbaumes in den häuslichen Bereich.

Seit dem 16. Jahrhundert bestand der Weihnachtsschmuck vornehmlich aus Äpfeln, Gebäck, geschnittenen Papierrosen und vergoldeten Nüssen. Unverzichtbar waren die Äpfel. Deren runde Fruchtform wurde später in den Christbaumkugeln wieder aufgenommen, denn von jeher galt der Apfel als Fruchtbarkeitssymbol und in der christlichen Symbolik als Frucht vom Baum der Erkenntnis.

Mit der Verbreitung des Weihnachtsbaumbrauchs rückte Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr eine Ausschmückung in den Mittelpunkt. Neben den Kerzen zierten nun ausgefallene Bastelarbeiten wie Girlanden aus Glanzpapier und gefaltete Schächtelchen mit kleinen Geschenken für die Kinder den Baum. Ausgelöst durch die große Nachfrage entwickelte sich ab 1870 ein ganzer Wirtschaftszweig, der industriell und in Heimarbeit Christbaumschmuck fertigte. Die Geburtsstätte des Glaschristbaumschmuckes befindet sich im Thüringischen Lauscha. Ende des 18. Jahrhunderts fertigten Glasbläser die ersten Perlen in verschiedenen Formen, Größen und Farben. Daraus entstand der erste gläserne Christbaumschmuck in Formen von Früchten, Zapfen und Nüssen aus bunt bemaltem Glas. Es folgte die Kugel, welche erstmals 1848 in Produktion ging. Im böhmischen Glasmacherort Gablonz wurden Glasperlen geschliffen und mit Drähten oder Fäden zu unterschiedlichsten Motiven verbunden. In der Gegend um Dresden und Leipzig stiegen Papierprägereien in das Christbaumschmuckgeschäft ein. Die Puppenmacher aus Thüringen boten Engel aus Pappmaché an, und im sächsischen Sebnitz entstand zierlicher Schmuck aus Watte und Chenille, kombiniert mit feinen Drähten, Stoffblümchen und winzigen Wachsfigürchen.

Um 1900 wendete man sich gegen den "kitschigen" bunten  Schmuck der Gründerzeitbäume und verlangte auch hier nach (Jugend-)Stil. In Mode kam der "weiße Baum" mit gläsernen Eis- und silbrigen Tannenzapfen, kombiniert mit Lametta, Engelshaar und weißen Kerzen. In den 20er und 30er Jahren setzte sich der Trend zum kunstgewerblichen Schmuck zunehmend durch. Klare und frei geblasene Glaskugeln wurden gefertigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg schmückten die Familien ihre Christbäume zunächst mit dem, was sie hatten, gern  auch mit bunten Kugeln und Lametta. In den 50er Jahren wurden  die Bäume eher spärlich geschmückt. Nach amerikanischem  Vorbild drängten schließlich auch Kunststoffprodukte  und elektrische Beleuchtung auf den Markt.

Heute ist das Angebot von Christbaumschmuck sehr groß und bietet eine breite Vielfalt. Wer nicht mit dem Trend geht, hängt das an den Baum, was ihm gefällt und was "Familientradition" ist. So werden verschiedene Formen, Materialien und Techniken als zeitgemäßes Ganzes kombiniert.


Nächste Veranstaltungen

Keine News in dieser Ansicht.


Fenster schließen